Angst vor dem Frieden

Angst vor dem Frieden

von Rainer Rupp

erschienen am 27.Juli 2018 via KenFM


Vor dem Hintergrund der hysterischen westlichen Kriegshetze gegen Russland, hat das Ergebnis des Helsinki-Gipfeltreffens zwischen den Präsidenten Trump und Putin eindringlich gezeigt, dass es trotz aller Gegensätze Tausend Mal besser ist, miteinander zu reden als aufeinander zu schießen! Leider sehen das die medialen und militärpolitischen „Eliten“ des Westens in ihrer Abgehobenheit von der Basis des Volkes nicht so. Denn Frieden und Ausgleich zwischen den Völkern würde das Geschäftsmodell zerstören, in dem sie Karriere gemacht haben und reich geworden sind.

Im Vorfeld des Helsinki-Gipfels überschlugen sich auch im deutschen Medienwald die Warnungen. Im „Qualitätsmedium“ Deutschlandfunk alarmierte der hauseigene Kommentator Thilo Kößler „vor einem neuen Pakt zwischen Trump und Wladimir Putin“, und zwar mit einer Eindringlichkeit, als ob Genosse Stalin höchstpersönlich noch im Kreml residieren würde.

Und warum war das Trump-Putin Treffen laut Kößler so „brandgefährlich“? Ganz klar! Weil der unberechenbare Trump (Zitat) „Hand an die globale Sicherheitsordnung legt“. Und die Bildzeitung titelte mit ihrer üblichen Balkenüberschrift: „TRUMP TRIFFT PUTIN. Wie gefährlich wird dieser Gipfel für uns?“

Als die US-Präsidenten von Bush-Senior über Clinton, über den Dummkopf Bush Junior bis hin zum „fake“ Friedensnobelpreisträger Obama im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika einen Angriffskrieg nach dem anderen angezettelt haben, mit Millionen von Toten und Zig Millionen Flüchtlingen, da war für die Presstituierten vom Deutschlandfunk bis Bild, vom Allgemeinen Regierungsdienst ARD bis zum Zentralen Dummfunk ZDF die Welt noch in Ordnung. Das waren nämlich gute Kriege, die von guten US-Präsidenten, nämlich von den Führern der freien Welt im Namen von Demokratie und Menschenrechte und – nicht zuletzt – für die freie Wirtschaft des globalen Marktes geführt wurden.

Aber Trump? Dieser ungehobelte Bösewicht und Frauenfeind ist gegen den von allen Handelshindernissen entrumpelten globalen Markt. Zudem hat er – obwohl er bereits 18 Monate im Amt ist – nicht wie seine Vorgänger immer noch keinen neuen Krieg angefangen,. Und – um die Sache auf die Spitze zu treiben – ist er an der Nordatlantischen Terror Organisation NATO nicht besonders interessiert und stattdessen will er – oh Schreck, oh Schreck – auch noch den Ausgleich und eine echte Partnerschaft mit Russland. Ausgerechnet mit Russland, das doch ein ausgesprochener Feind der von den US-Eliten gesteuerten neo-liberalen Weltordnung ist. Kein Wunder dass so mache „Experten“ und Presstituierte dem US-Präsidenten Trump lauthals „Verrat“ vorgeworfen haben.

Für die sicherheitspolitischen „Experten“ des Westens wäre eine Einigung mit Russland der reine Frevel. In über zwei Jahrzehnten globaler Alleinherrschaft als einzige Supermacht hat das US-Establishment die hohe Kunst der Diplomatie verlernt. Man versuchte gar nicht erst, mit Staaten und Regierungen, die sich andere politische und gesellschaftliche Prioritäten gesetzt hatten, einvernehmlich auszukommen. Stattdessen hat sich Washington in den letzten Jahrzehnten zunehmend mit der einfachen Methode erpresserischer Drohungen und kriegerischer Interventionen durchgesetzt.

Mit diesem Geschäftsmodell, das die angeblich „liberale“, westliche Weltordnung des globalen Marktes absichert, haben ganze Generationen von Politikern, „Experten“ und Journalisten in den USA und den verbündeten Ländern Karriere gemacht. Und dank der großzügigen Zuwendungen des rüstungs- und sicherheitstechnischen, industriellen Komplexes sind sie dabei in der Regel auch sehr reich geworden. Dies ist ihre Welt! Aber durch die möglichen Folgen des Trump-Putin-Gipfels sehen sie ihre Welt in ernster Gefahr.

Wenn wir diesen Eliten, die sich nach außen so freiheitlich, demokratisch und humanitär gebärden, nicht Einhalt gebieten und sie an der „Ostfront“ weiter zündeln lassen, dann wird die Lage früher oder später unkontrollierbar, mit nicht zu übersehenden Folgen für uns alle. Allein die Tatsache, dass Teile unserer „Eliten“ die Grenze zu Russland inzwischen wieder als „Ostfront“ bezeichnen, spricht für sich selbst. Es zeigt die Richtung, in die sie die zahmen Bürgerschafe treiben wollen.

Jede neue Eskalation der westlicher Sanktionen gegen Russland, jede weitere, aggressive, militärische Machtdemonstration an den Grenzen Russlands, die an Zahl und Umfang rasant zunehmen, wird von unseren „Eliten“ in Politik und Medien als ein Beitrag zu unserer Sicherheit verkauft. Das dürfen wir ihnen auf keinen Fall abkaufen. Stattdessen sollten wir alle daran erinnern, dass man auch im Westen, sogar in der NATO, bereits Mitte der 1980er Jahre schon einmal zu Erkenntnis gekommen war, dass eine wahre Sicherheitspolitik nur dann funktioniert und beständig ist, wenn meine Sicherheit auch die Sicherheit der Gegenseite bedeutet.

Dagegen trägt es nicht zur Sicherheit bei, auch nicht zur eigenen, wenn ich mich im Alleingang bis an die Zähne mit immer neuen Militärtechnologien bewaffne. Das untergräbt die Sicherheit meines Gegenübers. Trotz aller Beteuerungen meiner friedlichen Absichten fühlt sich mein Gegenüber zu Recht bedroht. Die Folgen sind Wettrüsten, riesige Verschwendung öffentlicher Gelder und ein Goldregen für den rüstungs-industriellen Komplex. Aber Sicherheit ist zu keinem Zeitpunkt geschaffen worden.

Sicherheit kann stattdessen nur erreicht werden, wenn man auf der Suche nach einem militärischen Gleichgewicht auf möglichst niedrigem Niveau konstruktiv und mit großer Transparenz mit der Gegenseite verhandelt. Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass meine Sicherheit zugleich Sicherheit für den anderen bedeuten muss. Von dieser fundamentalen Erkenntnis, die sich ab Mitte der 1980er auch in der NATO im Umgang mit dem Warschauer Vertrag durchgesetzt hatte, sind die militärpolitischen Eliten des Westen heute wieder Lichtjahre entfernt. Denn sie wollen ihr verbrecherisches Geschäftsmodel erhalten.

Machen wir uns nichts vor! Lassen wir uns nicht von den Humanitätsduseleien und demokratischen Sperenzchen unserer „Eliten“ Sand in die Augen streuen. Denn wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass das Geschäftsmodell dieser Bande auf Zerstörung, Hunger, Krankheit und Tod für Millionen Menschen beruht, und auf der Vertreibung ganzer Völkerschaften. Ein Blick auf die Lage im Nahen- und Mittleren Osten genügt. Wie unendlich viel besser ginge es dort den Menschen heute, wenn die USA und ihre westlichen Mittäter, einschließlich Deutschland, sie nicht mit militärischer „Demokratie-Hilfe“ und „freier“ Märkte beglückt hätten.